Steckbrief Wiehenvenator albati
| Alter: | 166 Millionen Jahre |
| Zeit: | Mittlerer Jura |
| Fundort: | Deutschland |
| Länge: | 9 Meter |
| Gewicht: | 1 Tonne |
Wiehenvenator albati gehört zu den robust gebauten, sehr vielfältigen Megalosauriern und ist - geologisch betrachtet – der älteste Dinosaurier der „BIG 5. Mit geschätzten neun Metern Körperlänge war Wiehenvenator nur geringfügig kleiner als sein nächster Verwandter, der geologisch etwas jüngere Torvosaurus. Von diesem Tier sind Knochen des Schädels, der Wirbel, Rippen sowie des Unterschenkels bekannt. Die Fossilien lassen auf ein Tier mit relativ langem, niedrigem Schädel schließen, wobei die Nasenöffnungen und die Schädelfenster ebenfalls eher länglich waren.
Dieser Räuber wurde 1998 in der Nähe von Minden (Nordrhein-Westfalen) gefunden. Seine Ausgrabung dauerte bis 2001. Die gefundenen Knochen wurden anschließend im LWL-Museum in Münster präpariert. Das Wiehengebirge verlieh ihm dabei seinen Namen.
Wiehenvenator stammt aus der mitteljurassischen und etwa 166 Millionen Jahre alten, sogenannten Ornatenton-Formation. Die Knochen dieses Räubers wurden vermutlich relativ küstennah abgelagert; davon zeugt auch die Anwesenheit anderer fossiler Organismen. Wirbellose Tiere wie Ammoniten, Belemniten, Brachiopoden, Kalkröhrenwürmer und Muscheln wurden ebenso gefunden, wie Reste von Fischen, Meereskrokodilen und dem riesigen Meeresreptil Liopleurodon.
Der Kadaver von Wiehenvenator könnte, genau wie die ebenfalls gefundenen verkohlten Holzreste, auf das offene Meer hinausgetrieben worden sein. Die Überreste des Raubsauriers müssen nach dem Absinken auf den Meeresboden noch eine Weile dort ohne Sedimentbedeckung gelegen haben, denn sie zeigten Spuren von Besiedlung durch Armfüßer, Kalkröhrenwürmer und Muscheln.
Im Zuge der Untersuchung von Wiehenvenator wurden auch Theorien zur Verbreitung bestimmter Gruppen innerhalb der Theropoden aufgestellt. Vertreter der Averostra, „Vogelschnauzen“, vereinigen Theropoden, die unter anderem asymmetrische Zähne im vorderen Schnauzenbereich haben und die grössere Vorderränder des Darmbeins aufweisen. Die Gruppe der „Vogelschnauzen“ (zu der auch die „BIG 5 “ gehören) veränderte sich möglicherweise sehr schnell zwischen dem Unterjura (vor etwa 178 Millionen Jahren) und dem Mitteljura (vor etwa 167 Millionen Jahren).
Ein Aussterbe-Ereignis im Unterjura, vor rund 183 Millionen Jahren, ermöglichte vielleicht diese Veränderung. Während im Mitteljura noch Megalosaurier, zu denen auch Wiehenvenator gehört, die Spitzenprädatoren in ihren Ökosystemen stellten, wurden sie in dieser Rolle im Oberjura von Allosauriern und Coelurosauriern (zu denen auch Tyrannosaurus rex und die Vögel gehören) abgelöst. Außerdem wurden Fossilien von Megalosauriern häufig in küstennahen Ablagerungen gefunden, während die Fossilien der Allosaurier tendenziell häufiger im Binnenland, abseits der Meere, ausgegraben werden.
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